Syntropische Landwirtschaft


Das Ziel von syntropischer Landwirtschaft ist die Etablierung von sich selbst verbessernden Agrarökosystemen, welche auf natürlichen Prozessen beruhen und stetig den Boden aufbauen. Durch gezielte Saatgut- und Pflanzenselektion und das wiederkehrende Schneiden entstehen komplexe, dynamische und autarke Produktionssysteme.

Drei zentrale Begriffe syntropischer Landwirtschaft

01.

Sukzession

Der Begriff Sukzession bezeichnet die na-türliche Abfolge von aufeinander aufbau-enden Artenkombinationen an einem Standort im Laufe der Zeit.

02.

Stratifizierung

Der Begriff Stratifikation beschreibt den mehrschichtigen Aufbau eines Systems. Es wird zwischen vier Schichten (Strata) unterschieden: Unterbau, Mittelbau, Oberbau und Überbau.

03.

Dynamik

Schneiden und Stutzen bringen Dynamik in die Systeme und werden in der syntropischen Landwirtschaft als zentrale Methoden bzw. Pflegemaßnahmen genutzt.

Definition & Begriffsklärung

Überblick syntropische Landwirtschaft

Die Bezeichnung syntropische Landwirtschaft steht in enger Beziehung zur Praxis und Theorie von Ernst Götsch und beschreibt eine komplexe Form von Agroforstwirtschaft, die mit einer hohen Diversität, Mehrschichtigkeit, Sukzession und Dynamik arbeitet.

Der Begriff Syntropie bezeichnet einen Prozess, in dem Energie gespeichert und stetig komplexere Strukturen aufgebaut werden. Syntropie steht dabei dem physikalischen Begriff der Entropie gegenüber.

Ernst Götsch versteht Pflanzen als syntropisch: “Their primary character lies in the ability to transform, organize and optimize elements like water, minerals, sunlight and solar energy into complex systems of life.”
Götsch et al., 1992

“Their primary character lies in the ability to transform, organize and optimize elements like water, minerals, sunlight and solar energy into complex systems of life.”
Götsch et al., 1992

Prinzipien der syntropischen Landwirtschaft

Sukzession

Der Begriff Sukzession bezeichnet die natürliche Abfolge von aufeinander aufbauenden Artenkombinationen an einem Standort im Laufe der Zeit. Sukzession beinhaltet, wie sich ein Ökosystem nach einer Störung (Waldbrand, Sturm etc.) oder auf neu geformtem Substrat von kurzlebigen Pionierpflanzen (Plazenta), über Arten mit einer mittleren Lebensdauer (Sekundärvegetation) bis hin zu langlebigen Gehölz- und Pflanzenarten (Klimax) entwickelt.

Dabei wird in der syntropischen Landwirtschaft zwischen drei aufeinander aufbauenden Systemen unterschieden: dem Besiedlungssystem, dem Anreicherungssystem und dem Überflusssystem. Innerhalb der jeweiligen Systeme finden jeweils sukzessionelle Zyklen statt (Plazenta, Sekundärvegetation und Klimax) (vgl. Abb. 1).

In syntropischen Agroforstsystemen werden von Beginn an alle Sukzessionsstufen mit eingebracht. Damit wird der Aufbau eines natürlichen Ökosystems nachgeahmt (vgl. Abb. 2). Hierbei ist wichtig zu betonen, dass die Sukzession als dynamisch verstanden wird und die Natur nie in einer der Sukzessionsstufen stagniert, sondern Störung und Dynamik immer als Teil der Sukzession verstanden werden (vgl. Abb. 4).

Abb. 1: Beschreibung der einzelnen Sukzessionszyklen, sowie der aufeinander aufbauenden Sys-teme (Grafik von Ursula Arztmann).
Abb. 1: Beschreibung der einzelnen Sukzessionszyklen, sowie der aufeinander aufbauenden Systeme (Grafik von Ursula Arztmann).
Abb. 2: Sukzessionsmodell mit der Verteilung von Plazenta-, Sekundär- und Klimaxspezies innerhalb der Sukzession (Grafik von Ursula Arztmann)

Stratifikation

Der Begriff Stratifikation beschreibt den mehrschichtigen Aufbau eines Systems. Es wird zwischen vier Schichten (Strata) unterschieden: Unterbau, Mittelbau, Oberbau und Überbau. Die Übergänge können dabei fließend sein.

Bei der Stratifikation ist nicht die Wuchshöhe der Pflanzen, sondern deren Licht- bzw. Schattentoleranz ausschlaggebend für die Einordnung in die jeweilige Strata (vgl. Abb. 2). Durch den Anbau in mehreren Schichten wird die Sonnenenergie bestmöglich aufgefangen und der Biomasseertrag pro Fläche kann erhöht werden.

Abb. 3: Darstellung der vier Schichten (Strata) und des jeweiligen Bedeckungsgrades (Grafik von Ursula Arztmann).

Dynamik durch Schneiden und Stutzen

Schneiden und Stutzen werden in der syntropischen Landwirtschaft als zentrale Methoden bzw. Pflegemaßnahmen genutzt und erfüllen unterschiedliche Zwecke. Durch den steten Rückschnitt wird das Wachstum der einzelnen Pflanzen sowie des ganzen Systems angeregt und die Systeme werden in einem produktiven, also vegetativen Zustand gehalten. Zudem wird der gesamte Nährstoffkreislauf angeregt und der Anteil organischer sowie nichtorganischer Nährstoffe im System erhöht.
Dabei sind sowohl die Strata, der Lebenszyklus der jeweiligen Pflanze als auch die Sukzession zu beachten. Durch gezieltes Schneiden und Stutzen (also Einkürzen, Hochasten und Rausnehmen), werden die Strata und die Sukzessionsstufen klar definiert und somit Konkurrenzeffekte vermieden.

Abb. 4: Darstellung eines Sukzessionszyklus mit Stö-rung und Dynamik als Teil von (Grafik von Ursula Arzt-mann).

Maximieren der Photosynthese

Durch die Mehrschichtigkeit, durch das Stutzen und Schneiden sowie durch dichtes Pflanzen wird die Photosynthese Leistung maximiert. Dadurch wird auch der Bodenaufbau gesteigert und mehr Wasser im System gebunden.

Energie konzentrieren

Die Energie wird in Form von Biomasse gezielt um die Baumreihen konzentriert. Dafür wird die energiespeichernde konkave Form genutzt. Diese hilft unter anderem Wasser zu speichern das Bodenleben anzuregen und insbesondere Sämlinge vor Wind zu schützen. Desweiteren wird durch den Abbau pflanzlicher Biomasse CO2 ausgestossen, das wierdeum den heranwachsenden Pflanzen direkt zur Verfügung steht und somit deren Wachstum fördert.

Ökophysiologische Funktion

Neben der Ökophysiologie, die untersucht, wie die Umwelt auf die Pflanze wirkt, geht es in der syntropischen Landwirtschaft darum, sich mit der ökophysiologischen Funktion der jeweiligen Pflanze zu beschäftigen. Diese beschreibt die Wirkung der Pflanze auf ihre Umwelt (vgl. Abb. 5).

Abb. 5: Darstellung der Ökophysiologie und der ökophysiologischen Funktion (Grafik von Ursula Arzt-mann).

Erfahrungen

Kundenstimmen zu unseren Dienstleistungen

Das Team von Syntopia hat uns hervorragend beraten und bei der Umsetzung geholfen. Unsere Obstbäume gedeihen dank ihrer Expertise prächtig!

Max Müller

Dank Syntopia haben wir unser Agroforstsystem erfolgreich umgesetzt. Die Unterstützung war erstklassig und die Ergebnisse sind beeindruckend!

Tom Schneider

Die Beratung war sehr kompetent und hat uns wertvolle Tipps gegeben. Unser Garten hat sich zu einer blühenden Oase gewandelt!

Laura Becker

Artikel und wissenschaftliche Veröffentlichungen

Natural succession of species in Agroforestry and in soil recovery (Englisch)

This paper describes a method for the rapid recovery of degraded soils and for sustainable agroforestry in the humid tropics. The method, in essence, is an attempt at imitating the natural process of species succession. I have devised means of accelerating the process through strategic
interventions. The net result of these practices is that, in only five years of time, completely degraded soils now support highly productive and diverse agroforestry systems. Evidence is presented that, even in regenerated soils, the dynamics of natural species succession play an important role in ensuring the health and vigor of crops.

Ernst Götsch, August 1992

Trees shape the soil microbiome of a temperate agrosilvopastoral and syntropic agroforestry system (Englisch)

Agroforestry systems are multifunctional land-use systems that promote soil life. Despite their large potential spatio-temporal complexity, the majority of studies that investigated soil organisms in temperate cropland agroforestry systems focused on rather non-complex systems. Here, we investigated the topsoil and subsoil microbiome of two complex and innovative alley cropping systems: an agrosilvopastoral system combining poplar trees, crops, and livestock and a syntropic agroforestry system combining 35 tree and shrub species with forage crops.

Toups, J. et al.

Syntropic farming systems for reconciling productivity, ecosystem functions, and restoration (Englisch)

Inspired by the succession and vertical stratification found in nature, syntropic farming systems (SFS) incorporate annual and perennial plants in diversified farming systems. Numerous practice examples show the potential of SFS to enhance agroecosystems via optimised design and active management. Yet, scientific knowledge on SFS remains scarce, especially in the temperate zone. We compiled findings on the outcomes and enablers of SFS from 67 studies comprising diverse SFS designs—mainly from tropical countries—that have the potential to be implemented in temperate agricultural landscapes.

Jacobi, Johanna et al. / The Lancet Planetary Health,
Volume 9, Issue 4, e314 – e325

Entwicklung und Erprobung innovativer Waldumbaukonzepte zur Entwicklung resilienter Waldstrukturen im Südosten Brandeburgs, Alt Madlitz (Deutsch)

Indem folgenden Artikel wird das Konzept erläutert, nach dem in Alt Madlitz 2021/2022 ein innovatiever Waldumbau besthender Kiefermonokultur eingeleitet wurde. Dieses Konzept gewann den „Fertilise the Future“ Fonds und wurde vollständig von Ecover finaziert.

Herausgeber: Finck Stiftung gGmbH
Autor: de Vries, Renke, Prof. Dr. Martin Guericke

Landwirtschaft der Zukunft? (Deutsch)

Agrarökologie ist eine soziale Bewegung und eine Methode. Sie folgt festen Prinzipien und funktioniert doch immer anders. Ist sie das nachhaltige Anbausystem der Zukunft?

Ökologie & Landbau 03 – 2020 / Agrarökologie
Bandnummer: 195
Erscheinungstermin: 29.06.2020

Webinar77: Renke de Vries: Syntropische Agroforstsysteme in Alt Madlitz (Deutsch)

Renke de Vries hat „International Forest Ecosystem Management“ an der HNE Eberswalde studiert. Seit 2019 leitet er die Planung und Etablierung von multifunktionalen (syntropischen) Agroforstsystemen auf 14 ha in Alt Madlitz (Ost-Brandenburg).

Videos und Podcasts

Life in Syntropy (Englisch)

„Life in Syntropy“ is the new short film from Agenda Gotsch made specially to be presented at COP21 – Paris. This film put together some of the most remarkable experiences in Syntropic Agriculture, with brand new images and interviews.

Adapting syntropic agroforestry to temperate climates, with Renke De Vries (Englisch)

Luckily I was able to find someone who has not only studied with Ernst closely in Brazil, but has also been pioneering syntropic systems in Germany […]. Renke de Vries studied International Forest Ecosystem Management, and works as an agroforestry designer and consultant and in arboreal maintenance. From 2019 till 2023 he has been responsible for the design, establishment and management of syntropic agroforestry systems especially at Gut and Boesel […].

Syntropische Landwirtschaft: Vortrag Ernst Götsch (Deutsch)

Vortrag vom 28.3.2019 im INFORAMA Zollikofen

Ernst Götsch ist Schweizer, lebt und arbeitet als Kakaofarmer in Brasilien. Seit mehr als 50 Jahren beschäftigt er sich mit der Entwicklung und Anwendung von Methoden und Strategien für eine zukünftige Landwirtschaft, die er „syntropic agriculture“ nennt.

Humus Boden Praxis Podcast (Deutsch)

Wir sprechen mit zwei echten Pionieren der Agroforstwirtschaft in Deutschland: Renke de Vries vom Betrieb Gut und Bösel sowie Thomas Domin, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Fachverbandes für Agroforstwirtschaft. Beide haben sehr interessante und doch unterschiedliche Systeme aufgebaut und bringen eine Menge Praxistipps sowie Erfahrungswerte mit.

Agroforst Mittwoch Ring VL (Deutsch)

29.11.2023 – Renke de Vries – Syntropische Agroforstwirtschaft

Websites zum Thema Syntropische Landwirtschaft

  • What is Syntropic Farming?
    There is no quick answer. We have to be honest and immediately warn that you won’t find a recipe ready to copy and paste here. Syntropic Agriculture (also described as successional agroforestry) is not a technology package that can be purchased, nor a definitive design plan that fits all tastes. It is first and foremost a change in perspective. It’s a new proposal for reading the ecosystem which enables the farmer to seek his/her answers using another reasoning, quite different from what we’re used to.
    > Agenda Götsch
Kontaktieren Sie uns

Lassen Sie uns gemeinsam Ihr Projekt starten!

Jetzt Ihre individuelle Beratung anfordern und nachhaltige Lösungen für Ihr Gelände entdecken.

Nach oben scrollen